Semiramis ist aufgerichtet

09.06.2022

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Im Tech Cluster Zug wurde kürzlich die Skulptur Semiramis aufgerichtet, die als Symbol für die Verbindung von Hightech und Natur steht. TS3 und Timbatec leisteten einen wesentlichen Beitrag, dass die komplexen Holzschalen heute in luftiger Höhe scheinbar schwerelos schweben.

Für den Tech Cluster Zug bauten Forschende aus der Gruppe der ETH-​Architekturprofessoren Fabio Gramazio und Matthias Kohler zusammen mit Müller Illien Landschaftsarchitekten, Timbatec und weiteren Partnern eine bepflanzte architektonische Skulptur. Die 22,5 Meter hohe Struktur besteht aus fünf geometrisch komplexen Holzschalen, die – leicht zueinander versetzt – von acht schlanken Stahlstützen getragen werden. Letzte Woche wurde mit allen Beteiligten das Aufrichtfest gefeiert.


Fugenverguss ohne Pressdruck 

Stets im Gleichtakt nehmen vier hängende Roboterarme die ihnen zugewiesene Holzplatte auf, führen einen hochpräzisen Tanz aus und platzieren die Platten schliesslich gemäss Computerentwurf im Raum. Ein Algorithmus berechnet die Bewegungen der Roboter so, dass es dabei zu keinen Kollisionen kommt. Haben die Maschinen ihre vier Platten nebeneinander platziert, werden diese von Handwerkerinnen und Handwerkern zuerst temporär verbunden und danach mit einem TS3-Giessharz miteinander verbunden. Die Brettsperrholzplatten können so durch Fugenverguss ohne Pressdruck stirnseitig miteinander verbunden werden. Timbatec entwickelte dieses Verfahren in mehreren Forschungsprojekten mit der ETH Zürich und der Berner Fachhochschule. Heute wird es vorwiegend für die Konstruktion von Geschossdecken angewendet, ermöglicht aber auch Strukturen wie Semiramis. So werden zwischen 51 und 88 solcher Holzplatten zu einer Holzschale zusammengefügt.


Im Gegensatz zur traditionellen Holzbauweise hat die robotische Fertigung mehrere Vorteile: Zum einen nehmen die Roboter dem Menschen das schwere Heben und das exakte Positionieren ab, zum anderen kann im Montageprozess auf aufwendige, ressourcenintensive Unterkonstruktionen verzichtet werden. 


Ein Symbol für die Zusammenarbeit 

Die robotische Vorfabrikation läuft derzeit auf Hochtouren. Die einzelnen Schalensegmente wurden laufend auf Lastwagen nach Zug überführt und die architektonische Skulptur dann im Frühjahr 2022 aufgerichtet und schliesslich bepflanzt. Ab Sommer 2022 wird es möglich sein, die Holzstruktur vom Boden und den Gebäuden aus zu betrachten und einen Blick in die begrünten Schalen zu erhaschen. Die schlanke und hohe Struktur wird üppig mit grossen Büschen und Bäumen bepflanzt und hat damit ein stattliches Eigengewicht. Gleichzeitig stellt sie eine grosse Angriffsfläche für den Wind dar. Dank der vorteilhaften runden Form der Schalen wird dieser um die Konstruktion geleitet. Trotzdem ist die Aussteifung der Konstruktion mit den acht schlanken Stützen eine Herausforderung. Die Winddrücke auf die Schale wurden mit einer strömungsmechanischen RWIND Simulation von Dlubal Software berechnet, was die Umströmung der Konstruktion in einem Windkanal simuliert. Zusätzlich mussten wegen der schlanken Konstruktion Resonanzeffekte längs und quer zur Windrichtung in den Berechnungen berücksichtigt werden.


RWIND Simulation von Dlubal Software


Im klassischen Entwurfsprozess versuchen Architektinnen und Architekten die unterschiedlichen Anforderungen an ein Gebäude oder eine Struktur im Entwurf zu berücksichtigen und passen diesen dann solange an, bis alle möglichst gut erfüllt sind. Nicht so bei Semiramis: Ein massgeschneiderter Machine-​Learning-Algorithmus, entwickelt in Zusammenarbeit mit dem Swiss Data Science Center, zeigte den Forschenden ausgeklügelte Gestaltungsmöglichkeiten auf. Die Vorschläge unterschieden sich hinsichtlich der Formen der Schalen und deren räumlichen Anordnung zueinander, zeigten aber auch auf, wie sich das jeweilige Design auf einzelne Zielgrössen wie beispielsweise die Beregnung der Schalen auswirkt. «Das Computermodell ermöglicht es uns, den konventionellen Gestaltungsprozess umzukehren und den gesamten Gestaltungsspielraum für ein Projekt zu explorieren. Dadurch entstehen neue, oft überraschende Geometrien», sagt Matthias Kohler, Professor für Architektur und digitale Fabrikation an der ETH Zürich.


Im «Immersive Design Lab», einem Labor für erweiterte Realität auf dem Campus Hönggerberg, konnten die Forschenden die Entwürfe dreidimensional erkunden und in Echtzeit gemeinsam daran weiterarbeiten. Eine gemeinsam mit dem Computational Robotics Lab der ETH entwickelte Software ermöglicht es ihnen zudem, die Entwürfe der Holzschalen einfach anzupassen: Verschieben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler beispielsweise einen einzelnen Punkt innerhalb der Geometrie einer der Schale, die sich aus rund 70 Holzplatten zusammensetzen, passt die Software die gesamte Geometrie an. Gleichzeitig berücksichtigt sie die relevanten Fertigungsparameter, wie beispielsweise das maximal mögliche Gewicht einer Platte, und generiert so stets die effizienteste und belastbarste Konfiguration.


Publikationen

  • Robotikprojekt Semiramis: Hängende Gärten für Zug

    Robotikprojekt Semiramis: Hängende Gärten für Zug

    Wir Holzbauer, Ausgabe 1.2022 – Als Weltwunder sind die hängenden Gärten der Semiramis von Babylon bekannt. Die neuen schwebenden Gärten auf dem Areal des Tech Cluster Zug sollen zumindest schweizweit für Aufmerksamkeit sorgen. Ende November wurde das Robotikprojekt «Semiramis» an der ETH Zürich vorgestellt.

  • ETH entwickelt mit künstlicher Intelligenz ein Pflanzenhochhaus

    ETH entwickelt mit künstlicher Intelligenz ein Pflanzenhochhaus

    Neue Zürcher Zeitung, Ausgabe 24.11.2021 – Zu den sieben Weltwundern der Antike gehören die Hängenden Gärten der babylonischen Königin Semiramis. «Semiramis» heisst eine 22,5 Meter hohe architektonische Skulptur mit 100 einheimischen Pflanzenarten. Forschende aus der Gruppe der ETH-Architekturprofessoren Fabio Gramazio und Matthias Kohler haben das Pflanzen-Hochhaus mit einem Machine-Learning-Algorithmus entwickelt.

Beteiligte 


Entwurf 

- MATTHIAS KOHLER Professor für Architektur und Digitale Fabrikation, 

- ETH Zürich RITA ILLIEN Müller Illien Landschaftsarchitekten 

- ANDREAS BURGHERR Timbatec Holzbauingenieure


Planung und Ausführung 

- TEAM GRAMAZIO KOHLER RESEARCH 

- TOTALUNTERNEHMER ERNE AG HOLZBAU mit: 


Subplaner

 - Timbatec Holzbauingenieure, MWV Bauingenieure, Dr. von Moos AG – Geologie, LLAL AG – Lichtplaner, Bänziger Partner AG – Planung Bach 


Subunternehmen

Landis Bau – Baumeister, Go Bau AG – Bauleitung Bach, JMS RISI AG – Tiefbau, Smarterion – Beleuchtung Engineering, Zumtobel AG – Beleuchtung, Hotz Elektro AG, Forster Baugrün – Gartenbau, Roth - Gerüste, Abt Holzbau AG – Montage, TS3 Timber Structures 3.0 AG – Verklebung, JOSEF MEYER - Stahl und Metall AG, SCHILLIGER HOLZ AG

 
 
 
 
 
 
 

Schweiz:

Büro Thun

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Niesenstrasse 1, 3600 Thun

Tel: +41 58 255 15 10 

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Ausstellungsstrasse 36, 8005 Zürich

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Falkenplatz 1, 3012 Bern

Tel: +41 58 255 15 30 

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Avenue de la Gare 49, 2800 Delémont 

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Österreich:

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Im Werd 6/31a, 1020 Wien 
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